Rechtsmedizinisches Institut Uni München: Obduktionsbericht
Obduktionsbericht
Erstellt
vom Institut für Rechtsmedizin der Universität München
im Auftrag der Staatsanwaltschaft Landshut
Dem Auftrag der Staatsanwaltschaft
bei dem Landgericht Landshut vom 28.5.99 entsprechend, haben wir am 28.5.99
um 21.15 Uhr die gerichtsmedizinische Untersuchung der Leiche durchgeführt.
Obduzenten:
PD Dr. Gilg I.Obduzent
Dr. Pankratz II. Obduzent
Dr. Baur III. Obduzent
Herr Wieczorek als Präparator
Als Hilfsbeamter der Staatsanwaltschaft
ist ferner anwesend Herr KOK Kühnel von der KPI Erding, im Auftrag der Staatsanwaltschaft
bei dem Landgericht Landshut.
Die auf dem Sektionstisch
liegende Leiche wurde von Herrn Wieczorek als die von AGEEB Aamir vorgewiesen.
Befund
und vorläufiges Gutachten
A. Äußere Besichtigung
1. Leiche eines 174 cm langen
und 84,9 kg schweren Mannes in gutem Ernährungszustand bzw. von sehr kräftigem
Körperbau.
2. Der Leichnam fühlt sich
noch deutlich warm an, insbesondere im Bereich. der Achselhöhlen wie auch in
der Leistengegend.
3. Die Hautdecken sind
allseits mittelbraun getönt, die sichtbaren Schleimhäute graurot.
4. Am Rücken des Leichnams
finden sich mit Ausnahme der Aufliegeflächen von der braunen Tönung schon abgesetzte,
rötliche bis rötlichviolette Totenflecke, die auf leichten bis mittelstarken
Fingerkuppendruck teils Vollständig abblassen. In der Lendenregion sind sie
wesentlich stärker ausgeprägt.
5. Hier sind sie auf Fingerkuppendruck
nur unvollständig zum Abblassen zu bringen, auf Fingernageldruck vollständig.
6. Ein Bereich der Brustkorbrückwand
links, im unteren Viertel gelegen, besteht eine 12 cm lange und bis 1 cm hohe
Hautrötung, leicht schräg von links oben nach rechts unten verlaufend.
7. In einem Bezirk von bis
zu 3 cm Höhe schließt sich nach unten zu eine Zone an, innerhalb derer geringe
fleckige Rötungen der Haut bestehen, einhergehend mit punktförmigen Einblutungen
in die Haut.
8. Die Totenstarre ist
an den Kniegelenken voll ausgeprägt, nicht zu brechen, an den Ellenbogengelenken
ebenfalls kräftig ausgeprägt, auf stärkere Kraftanwendung jedoch zu überwinden.
9. An der Kiefermuskulatur
ist die Totenstarre voll ausgeprägt.
10. Das Haupthaar ist lediglich
in Form bis maximal 1,5 mm langer schwarzer Haarstoppeln angelegt und zeigt,
soweit beurteilbar, an der Stirn geheimratseckenartige Lichtungen.
11. Im Bereich der zentralen
Stirnregion, in der unbehaarten Kopfhaut gelegen, besteht eine 3,5 cm breite
und bis 3 cm hohe Zone, innerhalb derer die Haut dunkelbraunschwärzlich verfärbt
ist und darüber hinaus eine leicht schuppende Beschaffenheit der Oberhaut aufweist.
12. In Projektion auf den
Übergang von der Kranznaht zur Pfeilnaht tastet man unter der Kopfschwarte eine
etwa linsengroße derbe Resistenz.
13. In Projektion auf das
seitliche hintere Scheitelbein links besteht eine 4,5 cm lange und bis 4 mm
breite weißliche narbenartige Aufhellung der Haut.
14. Diese Narbe verläuft
leicht schräg von vorne nach hinten oben.
15. Ansonsten sind in der
behaarten Kopfhaut keine sicht- oder tastbaren Verletzungen bzw. Veränderungen
erkennbar.
16. Die Augenlider sind
geschlossen. Im Bereich beider Augenober- und Unterlider finden sich zahlreiche,
punktförmige Einblutungen in die Haut, die insbesondere bei intensiver Beleuchtung
aus dem Hintergrund der Brauntönung der Haut hervortreten.
17. Die Veränderungen sind
rechtsseitig stärker ausgeprägt als links.
18. Beidseits, wiederum
rechts stärker ausgeprägt als links, betreffen die Punktblutungen auch die Haut
über beiden Jochbeinen.
19. In der Hinterohrregion
sind linksseitig keine Punktblutungen erkennbar, wogegen rechtsseitig einzelne
bis metallstecknadelkopfgroße schwärzlichrote Verfärbungen bestehen.
20. Die Augenbindehäute
sind graurot, mit zahlreichen stecknadelspitz- bis max. halbmetallstecknadelkopfgroßen
Blutungen versehen.
21. Die Farbe der Regenbogenhaut
dunkelbraun, die Sehlöcher untermittelweit, gleichweit und rund.
22. Das knöcherne Nasenskelett
ist intakt. Im Bereich beider Nasenöffnungen findet sich etwas weißlich-zäher,
fadenziehender Schleim.
23. Beide äußeren Gehörgänge
sind frei.
24. Die Haut über dem Nasenrücken
wie auch die Haut über beiden Wangen zeigt geringe Unregelmäßigkeiten im Sinne
eines vergröberten, teilweise leicht kleinnarbigen Hautreliefs.
25. An der Oberlippe findet
sich ein maximal 1,5 cm langer Stoppelbart, desgleichen auch an beiden Wangen.
26. Die Lippen sind geschlossen,
graurot. Im Bereich der Unterlippenumschlagsfalte rechts finden sich zwei stecknadelspitzgroße
Einblutungen.
27. In der Oberlippenumschlagsfalte
sind beidseits immer wieder punktförmige Einblutungen anzutreffen.
28. An der Unterlippe haftet
etwas grauweißes Zellstoffmaterial.
29. Die Zunge liegt hinter
den im Ober- und Unterkiefer intakten Zahnreihen.
30. Der Hals ist mittellang,
kräftig, nicht abnorm beweglich.
31. Ca. 1 cm unterhalb
des Kehlkopfvorsprungs beginnt ein Areal mit nachfolgend beschriebenen Veränderungen,
welches nahezu Symmetrisch bis zu beiden Brustbeinschlüsselbeingelenken reicht.
32. Dieses Areal hat eine
Höhe von 5,5 cm und eine Breite von bis maximal 6 cm.
33. Es finden sich hier
unterhalb des Kehlkopfvorsprungs zunächst zwei horizontal verlaufende, intensive
Hautrötungen, wobei die knapp rechts neben der Mittellinie gelegene ein Ausmaß
von 13 x 5 mm, die links der Mittellinie gelegene ein Ausmaß von 10 : 6 mm aufweist.
34. Nach unten schließen
sich dann im wesentlichen drei senkrecht verlaufende Hautrötungen an, von denen
die äußeren leicht nach außen unten zu geneigt sind. Die linke dieser Hautrötungen
hat eine Länge von 3 cm und eine Breite von 5 mm. Die nahezu in der Mittellinie
der Drosselgrube gelegene hat eine Länge von 3,5 cm und eine Breite bis 8 mm.
35. Die rechtsseitig der
Mittellinie gelegene ist doppelläufig konfiguriert und setzt sich zusammen aus
einer 2,5 cm langen und bis 2 mm breiten Hautrötung sowie einer weiteren 2 cm
langen und gleichbreiten Hautrötung.
36. Der Abstand dieser
Hautrötungen beträgt 3 mm.
37. Bei genauerer Besichtigung
zeigt sich, daß die mittlere dieser streifigen Hautrötungen aus zahlreichen
Punktblutungen in die Haut, die zusammengelaufen sind, zusammengesetzt ist.
38. Im Bereich der linken
Schulterhöhe, am Übergang zum seitlichen Halsansatz besteht eine fleckige, violettschwärzliche
Verfärbung der Haut in einem Ausmaß von 5 : 4 cm.
39. Brustkorb seitengleich,
gewölbt, nicht abnorm eindrückbar.
40. Bauchdecken knapp unterhalb
des Brustkorbniveaus, unverletzt und ohne Narben.
41. Äußeres Genitale männlich,
die Schambehaarung kurz, gekräuselt.
42. Beide Hoden im Hodensack
tastbar, auffallend klein wirkend.
43. Das Glied beschnitten.
44. An der Vorderseite
beider Oberschenkel finden sich zahlreiche Überdehnungsnarben.
45. Die Afteröffnung ist
frei.
46. Über der linken Kniescheibe
besteht eine horizontal gestellte, 2 : 0,8 cm haltende, etwas depigmentierte
reizlose Narbe.
47. Über der Schienbeingräte
links in einem fünfmarkstückgroßen Bezirk eine rötlich-graue Tönung der Haut,
die hier eine etwas schuppende Beschaffenheit aufweist.
48. Über der Schienbeinkante
links im mittleren Drittel in einem markstückgroßen Bezirk eine rötliche Verfärbung
der Haut, einhergehend mit einer leichten überschießenden Verhornung.
49. Drei Querfinger oberhalb
des oberen Sprunggelenkes links bestehen an der Vorderseite des linken Unterschenkels
im wesentlichen zwei bandartige Hautrötungen in einem insgesamt knapp fünfmarkstückgroßen
Bezirk.
50. Diese Hautrötungen
sind querverlaufend und setzen sich wiederum aus einzelnen ineinander überlaufenden
streifigen Hautrötungen zusammen.
51. Über dem linken Fußrücken
in Verlängerung des 3. Strahles besteht eine markstückgroße violettrötliche
Verfärbung der Haut, auf Einschnitt findet sich hier keinerlei Unterblutung,
desgleichen auch nicht unter der streifigen Hautrötung oberhalb des linken Sprunggelenkes.
52. An der Außenseite des
rechten Unterschenkels, handbreit oberhalb des Außenknöchels vermeint man eine
leichte Ablassung der Haut zu erkennen, horizontal verlaufend bis über eine
Höhe von 1,5 cm.
53. Auch über der rechten
Schienbeingräte findet sich eine gleichsinnige Veränderung wie links.
54. An der Innenseite des
rechten Schienbeines drei Querfinger unterhalb des Kniegelenkspaltes findet
sich eine 1,5 cm im Durchmesser haltende Hautveränderung, innerhalb derer die
Haut gefältelt wirkt, zirkulär gerötet, zentral abgeblaßt ist.
55. An der Vorderaußenseite
des rechten Unterschenkels im unteren Drittel gelegen, besteht eine weitgehend
abgeheilte, mit einer stecknadelkopfgroßen Restkruste belegte, oberflächliche
Defektstelle.
56. An der Vorderseite
des rechten Oberarmes, an dessen oberer Hälfte gelegen, erkennt man vier bis
fingerkuppengroße, zur Umgebung etwas unscharf auslaufende Hautrötungen, auf
Einschnitt mit deutlicher schwarzroter Unterblutung ins Unterhautfettgewebe.
57. Im Bereich der rechten
Ellenbeuge und zur Oberarminnenseite- bzw. Außenseite ansteigend, besteht eine
überwiegend doppelläufig konfigurierte zirkuläre Hautrötung, von insgesamt 1,2
cm Höhe, wobei die einzelnen Hautrötungen eine Höhe von bis zu maximal 6 mm
aufweisen und durch eine intakte Hautbrücke separiert sind.
58. Diese Hautbrücke als
solche ist jedoch weitgehend unscharf demarkiert.
59. Auf einem Einschnitt
in der seitlichen Ellenbeugenregion rechts unterhalb dieser doppelläufigen Hautveränderung
besteht eine geringe schwarzrote Einblutung. Man vermeint hier eine Punktionsstelle
zu erkennen, darunter ist jedoch kein venöses Blutgefäß präparierbar.
60. An der Außenseite des
rechten Ellenbogengelenkes bestehen in einem fünfmarkstückgroßen Bezirk im wesentlichen
fünf, bis maximal doppeltreiskorngroße oberflächliche Abschürfungen.
61. Knapp darüber findet
sich eine etwa pfennigstückgroße bläuliche Verfärbung.
62. An der Außenseite des
rechten Unterarmes, drei Querfinger unterhalb der Ellenbeuge gelegen, besteht
eine 1 : 2 cm haltende, bräunlich pigmentierte Narbe mit pergamentartiger Beschaffenheit
der Narbenoberfläche.
63. Über der fast schon
beugeseitigen Speichenkante rechts, im unteren Drittel gelegen, findet sich
eine parallel zur Unterarmlängsachse gestellte, 3,4 cm lange, reizlose Narbe.
64. Im Bereich des Handgelenkes
rechts, streckseitig gelegen, bestehen zwei doppelläufige Hautrötungen, wovon
die rumpfnahe gelegene aus zwei senkrecht zur Unterarmlängsachse gestellten,
mehr strichartigen Hautrötungen zusammengesetzt ist. Die obere weist eine Länge
von 3 cm, die untere eine solche von bis zu 1 cm auf.
65. Beide Hautrötungen,
die maximal 1 mm breit sind, weisen einen gegenseitigen Abstand von maximal
5 mm auf.
66. Direkt über der Streckseite
des Handgelenkes besteht die nächste doppelläufig angeordnete Hautrötung, die
ebenfalls wieder aus bis maximal 1 mm breiten streifigen Hautrötungen zusammengesetzt
ist, wobei die obere eine Länge von 1,5 cm, die untere eine solche von 2,5 cm
aufweist. Der gegenseitige Abstand beträgt hier ca. 3 mm.
67. Der Abstand der beiden
doppelläufigen streifigen Hautrötungen beträgt 2 cm, jeweils vom Zentrum gemessen.
68. Drei Querfinger oberhalb
des rechten Handgelenkspaltes erkennt man über der Speiche streckseitig eine
senkrecht zur Unterarmlängsachse verlaufende, 2,5 cm lange und bis 3 mm hohe
rote Verfärbung der Haut.
69. Auf Einschnitt besteht
hier keinerlei Unterblutung.
70. Lediglich die rumpfferne
doppelläufige streifige Hautrötung über dem rechten Handgelenk zeigt eine minimale
Unterblutung im Unterhautfettgewebe.
71. Vom Ellenköpfchen zieht
zur Beugeseite des rechten Handgelenkes eine ebenfalls doppelläufig konfigurierte
streifige Hautrötung, wobei beide Hautrötungen z.T. ineinander übergehen, -
und sofern sie separiert sind - eine Höhe bis max. 2 mm und einen gegenseitigen
Abstand von ca. 3 mm aufweisen.
72. Auf Einschnitt besteht
hier eine spärlichste, gerade eben wahrnehmbare Einblutung.
73. An der Außenseite des
linken Oberarmes, im mittleren Drittel gelegen, findet sich eine ovaläre, 2,5
cm hohe und bis 1,5 cm breite fleckig-rötlich pigmentierte Narbe fraglich im
Sinne einer Impfnarbe.
74. Auch am linken Oberarm
erkennt man zwei bis drei Querfinger oberhalb des Ellenbogengelenkspaltes eine
doppelläufig konfigurierte Hautrötung, die im wesentlichen identisch ist mit
der am rechten Arm schon beschriebenen, sie ist jedoch im Gegensatz zur rechtsseitigen
mehr horizontal verlaufend und an der Außenseite in eine im wesentlichen gleichförmige
Rötung einlaufend.
75. Zwei Querfinger oberhalb
des linken Ellenhakens und an der Rückaußenseite des linken Oberarmes gelegen,
erkennt man nun in dieser eben genannten streifigen Hautrötung eine pfennigstückgroße
bläuliche Verfärbung, auf Einschnitt mit mäßiger schwarzroter Unterblutung.
76. Über der linke Speiche,
ellenbogengelenksnahe an der Streckaußenseite des Unterarmes gelegen findet
sich eine 2,5 cm : 1,5 cm haltende, bläuliche Verfärbung der Haut, auf Einschnitt
mit kräftiger schwarzroter Unterblutung ins Unterhautfettgewebe sowie in den
bindegewebigen Überzug der Muskulatur, in diesem Bereich ist auch eine geringe
Weichteilschwellung zudem feststellbar.
77. Bei weiterer Präparation
der Hautdecken am linken Unterarm zeigt sich, daß die Speichenseite des linken
Unterarmes über der oberen Hälfte eine deutliche Einblutung ins Unterhautfettgewebe
wie auch in den bindegewebigen Überzug der Muskulatur aufweist und die teilweise
auch in die Muskulatur hineinreicht.
78. Über der Streckseite
des linken Handgelenkes, übergreifend auch auf das rumpfnahe Fünftel des Handrückens,
bestehen mehrfache (mindestens vier) z.T. wie doppelläufig erscheinende, feinste
strichartige Hautrötungen, über eine Gesamtlänge von bis zu 3,5 cm, senkrecht
zur Unterarmlängsachse gestellt.
79. Über der Beugeseite
des linken handgelenksnahen Speichenendes findet sich eine fünfmarkstückgroße
Hautrötung, einhergehend mit einer seidenpapierartigen Abhebung der obersten
Hautschicht. Auf Einschnitt findet sich hier eine gut bohnengroße schwarzrote
Unterblutung des Unterhautfettgewebes.
B. Innere Besichtigung
I. Schädelhöhle
80. Die Kopfschwarte zeigt
nach dein Abziehen an ihrer Innenseite eine graurote Farbe. Im bindegewebigen
Überzug der Schläfenmuskulatur beidseits bestehen immer wieder verwaschene,
bis maximal erbsgroße spärliche Unterblutungen. Auch in der Beinhaut der hohen
Stirn- und vorderen Schläfenbeinregion finden sich immer wieder stecknadelspitzgroße
Einblutungen.
81. Nach Abpräparation.der
Schläfenmuskulatur zeigt sich, daß beidseits immer wieder bis metallstecknadelkopfgroße,
nicht sehr kräftig ausgeprägte Einblutungen unter die Beinhaut bestehen.
82. Das knöcherne Schädeldach
ist unverletzt, es mißt 18,4 : 14,0 cm, ist regelmäßig längsoval geformt, bis
5 mm stark.
83. Nach Abnahme des knöchernen
Schädeldaches ist die harte Hirnhaut mit diesem leicht verklebt.
84. Über der harten Hirnhaut,
unter ihr, wie auch zwischen den weichen Hirnhäuten sind Blutaustritte nicht
abgrenzbar.
85. Im Längsblutleiter
sowie den Querblutleitern flüssiges Blut.
86. Das Gehirn wiegt 1499
g.
87. Die Hirnwindungen sind
an den Kuppen erheblich abgeplattet, die Windungstäler weitgehend verstrichen.
88. Die Kleinhirnmandeln
springen sehr deutlich hervor.
89. Ferner finden sich Abdruckmarken
an den Gyri parahippocampales [Hirnwindung an der Schläfenlappenbasis].
90. Die Hirngrundgefäße
sind zart.
91. Auf zahlreichen Schnitten
durch Groß- und Kleinhirn zeigt sich eine regelrechte Verteilung von graubrauner
Rinde und weißem Mark.
92. Krankhafte Veränderungen,
insbesondere Blutaustritte finden sich nicht.
93. Das Hirnkammersystem
ist eng gestellt, seine Innenhautauskleidung ist zart.
94. Im Hirnkammersystem
klare wässrige Flüssigkeit.
95. Auf Schnitten durch
Brücke und verlängertes Mark kein krankhafter Befund, insbesondere keine Blutaustritte.
96. Nach dem Abziehen der
harten Hirnhaut von der Schädelbasis erweist sich diese als unverletzt.
II. Brust- und BauchhöhIe
97. Nach Eröffnen der Bauchdecken
gelangt man durch ein bis zu 4,5 cm starkes, gelbes Fettgewebe auf die eher
zusammengezogenen Darmschlingen, welche von einem fetthaltigen Netz vollständig
bedeckt werden.
98. In der Bauchhöhle kein
Fremdinhalt.
99. Bauchfell und Darmüberzug
glatt, glänzend und spiegelnd.
100. Der Wurmfortsatz ist
vorhanden, reizlos, zart.
101. An der Außenseite des
rechten Leberlappens bestehen in einem etwa handtellergroßen Bezirk Verwachsungen
mit dem Zwerchfell bzw. der Bauchwand.
102. Zwerchfellstand rechts
in Höhe der vierten, links in Höhe der fünften Rippe.
103. Die Rippenknorpel
schneiden sich mittelhart.
104. Nach Entnahme des
Brustbeins sinken die deutlich geblähten Lungen nur wenig in die Brusthöhlen
zurück. Sie haben sich über dem Herzbeutel auf 4 cm angenähert.
105. In beiden Brusthöhlen
keine Verwachsungen, keine Verklebungen, kein Fremdinhalt.
106. Der Herzbeutel ist
fettbewachsen, unverletzt, er enthält gelbliche Flüssigkeit.
107. Nach Durchschneiden
der unteren Hohlader entleert sich dunkelrotes, ausschl. flüssiges Blut.
108. Im vorderen Mittelfellraum
findet sich eine 22 g schwere Restbrieseldrüse, die unter der Kapsel einzelne
bis stecknadelkopfgroße Unterblutungen aufweist, nicht jedoch im Gewebe. [Brieseldrüse:
hinter dem Brustbein gelegene Drüse, die für die Immunfunktionen eine
Rolle spielt]
a) Halsorgane:
109. Abweichend vom üblichen
Sektionsgang werden die Halsweichteile nach Herstellung einer künstlichen Blutleere
schichtweise im Leichnam präpariert.
110. Es zeigt sich, daß
unterhalb der am linken seitlichen Halsansatz beschriebenen Hautverfärbung eine
sehr spärliche Unterblutung im darunterliegenden Unterhautfettgewebe bzw. des
plattenförmigen Halsmuskels besteht.
111. Unterhalb der drosselgrubennahen
streifigen Hautveränderungen an der Halsvorderseite lassen sich keinerlei Einblutungen
nachweisen, desgleichen auch nicht in den übrigen Halsweichteilen.
112. Die Zunge zeigt an
beiden Rändern geringe Zahnabdruckmarken, auf dem Schnitt ist die Muskulatur
frei von Einblutungen.
113. Die Zungengrunddrüsen
sind mittelhoch.
114. Die Gaumenmandeln mittelgroß,
zerklüftet, auf dem Schnitt ohne Pfröpfe.
115. Im Nasenrachenraum
und Kehlkopfeingang kein Fremdinhalt.
116. Die Speiseröhre zeigt
eine grauweiße Schleimhaut und ist leer.
117. Die Luftröhre zeigt
eine graurote Schleimhaut und enthält reichlich weißlich-schaumige Flüssigkeit,
besonders ausgeprägt nach der Aufteilungsstelle in den Luftröhrenhauptästen.
118. Das Kehlkopfskelett
sowie das Zungenbein sind noch knorpelig, elastisch, unverletzt. An keiner Stelle
Umblutungen. Die Posticusmuskulatur ist unauffällig.
119. Die Halsschlagaderäste
zeigen im Aufteilungsbereich deutliche beetartige, weiche Innenhauteinlagerungen.
120. Schilddrüse zweilappig
angelegt, nicht vergrößert, auf dem Schnitt ohne Knoten.
b) Brustorgane:
121. Das Herz wiegt 358
g.
122. Herzaußenfell, Herzinnenfell
und Klappenapparat sind zart, letzterer erscheint schlußfähig.
123. Das eirunde Loch ist
geschlossen.
124. An der unteren Hälfte
der linken Seitenrückwand bestehen immer wieder bis stecknadelkopfgroße Einblutungen
unter dem Herzaußenfell.
125. Der Abgang der Herzkranzarterien
regelrecht. Sie weisen einzelne, beetartige weiche Innenhauteinlagerungen auf,
ohne nennenswerte Lumeneinengung.
126. Herzmuskulatur auf
dem Schnitt von angedeutet fleckiger, braunroter Farbe. Es zeigt sich, daß über
dem vorderen Stellmuskel der zweizipfeligen Segelklappe geringe zusammengeflossene,
schwarzrote Verfärbungen bestehen im Sinne sog. subendocardialer Einblutungen.
Narben bzw. Fremdeinlagerung in die Muskulatur sind nicht erkennbar.
127. Die Muskulatur der
rechten Herzkammer zeigt keine Fetteinwachsung.
128. Die große Körperschlagader
weist nur geringe beetartige weiche Innenwandeinlagerungen auf.
129. Die Lungen sind beidseits
dreilappig.
130. Die rechte Lunge wiegt
607 g, die linke 605 g.
131. Zwischen dem rechten
Lungenunterlappen und dem rechten Lungenoberlappen, d.h. im Interlobärspalt
gelegen, zeigt das Lungenaußenfell des Unterlappens einzelne bis stecknadelkopfgroße
Unterblutungen.
132. Zwischen dem linken
Lungenmittellappen und linkem Lungenoberlappen finden sich einzelne strangförmige
Verwachsungen
133. Nach Lösen dieser Verwachsungen
lassen sich auch hier unter dem Lungenaußenfell einzelne punktförmige Einblutungen
nachweisen.
134. Auf dem Schnitt zeigt
das Lungengewebe in den Unterlappen eine dunkelrote Farbe, wogegen die Oberlappen
eher hellgraurot sind und noch deutlicher belüftet als die Unterlappen, die
blutreich und mäßig flüssigkeitshaltig sind.
135. Das Gewebe des rechten
Lungenunterlappens ist etwas mehr flüssigkeitshaltig als das des linken Unterlappens.
136. Einatmungs- und Verdichtungsbezirke
finden sich nicht.
137. In den Lungenschlagaderästen
kein embolisches Material, in den peripheren Luftröhrenästen rötliche, gering
untermischte Flüssigkeit.
c) Bauchorgane
138. Die Leber wiegt 1830
g. Oberfläche mit Ausnahme der oben beschriebenen Verwachsungen glatt und glänzend,
der Unterrand noch scharf.
139. Auf dem Schnitt zeigt
das Lebergewebe eine etwas fleckige, braunrote Farbe, die Läppchenzeichnung
ist erkennbar. Das Organ mittelblutreich.
140. Die Gallenblase ohne
Steininhalt.
141. Gallenwege, Lebervenen
und Pfortadersystem sind frei durchgängig.
142. Die Milz wiegt 305
g, ihre schiefergraue Kapsel ist gespannt.
143. Auf dem Schnitt zeigt
das Milzgewebe eine dunkelrote Farbe, es ist fest.
144. Die Milzkörperchen
sind erkennbar.
145. Nebennieren und Nieren
sind fettarm gelagert.
146. Die Nebennieren zeigen
eine schmale, gelbe Rinde und ein braunes Mark, sie sind fest.
147. Die Nieren lassen sich
beidseits gut entkapseln, Oberfläche dunkelbraunrot, glatt und glänzend, mit
Resten einer vorgeburtlichen Lappung.
148. Auf dem Schnitt zeigt
das Nierengewebe die selbe Farbe wie die Oberfläche.
149. Markkegel und Rinde
sind gegeneinander abgrenzbar. Das Organ blutreich.
150. Nierenbecken, ableitende
Harnwege und Harnblase mit grau-weißer Schleimhaut ausgekleidet.
151. Die Harnblase enthält
ca. 40 ml eines gelblich-klaren Urins.
152. Vorsteherdrüse nicht
vergrößert, auf dem Schnitt ohne Knoten.
153. Die Samenblasen sind
gefüllt.
154. Der Magen enthält wenige
ml einer bräunlichen Flüssigkeit, ohne auffällige Beimengungen und ohne auffälligen
Geruch.
155. Die Magenschleimhaut
noch in Falten stehend. Entlang der Magenschleimhautfalten finden sich geringe
straßenförmig konfigurierte Rötungen, einhergehend mit punktförmigen Einblutungen
in die Schleimhaut.
156. Im Zwölffingerdarm
und Dünndarm wenig gelb-grün-schleimiger und sämiger Inhalt.
157. Im Dickdarm grün-braun-salbenartiger
Stuhl in reichlichem Umfang.
158. Die Schleimhaut des
Zwölffingerdarms erscheint deutlich blutgestaut, dunkelrot. Die Enddarmschleimhaut
ist unauffällig.
159. Die Bauchspeicheldrüse
ist graubraunrot, etwas konsistenzvermehrt.
160. Am Skelettsystem noch
folgende Veränderungen: Links sind die Rippen 2 mit 4, rechts ebenfalls die
Rippen 2 mit 4 jeweils in der mittleren Schlüsselbeinlinie gebrochen, links
mit deutlicher, rechts mit nur spärlicher Unterblutung. Dass Brustbein ist zwischen
dem 2. und 3. Rippenansatz abnorm beweglich, ohne Unterblutung.
161. Nunmehr wird der Leichnam
in Bauchlage verbracht. Es wird ein Einschnitt geführt von der Nackenregion
bis zum Kreuzbein, fortgeführt bis zu beiden Fersen.
162. Im Bereich der Nackenregion
erkennt man eine horizontal verlaufende, 9 cm lange und bis 5 mm hohe Rötung
der Haut. Eine weitere gleichbreite streifige Hautrötung beginnt knapp rechts
der Mittellinie in der hohen Hinterhauptsregion, sie verläuft schräg nach links
unten und gewinnt Anschluß an das linke äußere Ende der letztbeschriebenen streifigen
Hautrötung.
163. Es zeigt sich, daß
das Unterhautfettgewebe knapp unterhalb der beschriebenen streifigen Rötungen
gering eingeblutet ist, in der Mittellinie des Nackens gelegen.
164. Die oberflächliche
Nackenmuskulatur zeigt links neben der Mittellinie etwa in halber Höhe des Nackens
eine etwa erbsgroße schwarzrote Einblutung.
165. Die paravertebrale
[neben der Wirbelsäule gelegene] Muskulatur zeigt in der oberen Hälfte
des Brustkorbes linksseitig in einem kinderhandtellergroßen Bezirk eine geringe
schwarzrote Einblutung.
166. Am lumbosakralen Übergang
[Übergang Lenden- zur Steißbeinregion] erkennt man knapp links der
Mittellinie eine ca. zweimarkstückgroße spärliche Einblutung in das Unterhautfettgewebe.
167. An der übrigen Rum,pfrückwand
wie auch den unteren Gliedmaßen sind Weichteilblutungen nicht feststellbar.
168. Der größte Kopfumfang
wurde mit 58 cm bestimmt.
Zusammenfassung
der Befunde:
- Zahlreiche Punktblutungen
in den Augenbindehäuten, den Lidhäuten und der Haut über beiden Jochbeinen,
- einzelne Punktblutungen
in der Hinterohrregion rechts,
- bis linsengroße, verwaschene
Einblutungen in den bindegewebigen Überzug der Schläfenmuskulatur beidseits,
- feine punktförmige Einblutungen
in die Beinhaut des Schädeldaches,
- einzelne Punktblutungen
in die Mundschleimhaut der Ober- und Unterlippeninnenseite,
- Hautverfärbung am linken
seitlichen Halsansatz mit geringer Unterblutung des Unterhautfettgewebes und
der daruntergelegenen Muskulatur,
- teils kleinfleckige,
teils streifig konfigurierte Hautrötungen an der Halsvorderseite zwischen
Drosselgrube und Kehlkopfvorsprung, ohne einhergehende Weichteilunterblutung,
- keine nachweisbaren Einblutungen
in die vorderen Halsweichteile,
- einzelne punktförmige
Einblutungen unter das Lungenaußenfell an beiden Lungen,
- einzelne punktförmige
Einblutungen unter dem Herzaußenfell über der Rückseitenwand der linken Herzkammer,
- Einblutungen unter die
Kapsel der Brieseldrüse,
- verwaschene, sog. subendocardiale
Einblutungen über dem vorderen Stellmuskel der zweizipfeligen Segelklappe,
- deutliche Blähung der
Lungen,
- z.T. doppelläufig konfigurierte,
feinstreifige, senkrecht zur Unterarmlängsachse orientierte Hautrötungen im
Bereich beider Handgelenke, z.T. mit geringen Einblutungen einhergehend,
- überwiegend doppelläufig
konfigurierte, zirkulär die ellenbogennahen Oberarme umfassende Hautrötungen,
rechts mit geringer Unterblutung in der Umgebung, links mit einer mäßigen
Unterblutung,
- flächenhafte Unterblutung
des Unterhautfettgewebes, des bindegewebigen Überzuges der Muskulatur und
zum geringen Teil auch der Muskulatur in der rumpfnahen Hälfte der Streckseite
des linken Unterarmes,
- triangelförmige streifige
Hautrötung in der oberen Nackenhaut mit geringer Unterblutung des Unterhautfettgewebes
und geringer Unterblutung der darunter gelegenen oberflächlichen Nackenmuskulatur,
- Hirnvolumenvermehrung
mit Zeichen ausgeprägten akuten Hirndrucks,
- deutliches Lungenödem,
- relative Blutfülle der
inneren Organe,
- leicht fleckige Tönung
der Leberschnittfläche,
- feste Schwellung und
Vergrößerung der Milz,
- Verwachsungen der Oberfläche
des rechten Leberlappens mit der seitlichen Bauchwand und dem Zwerchfell,
- streifige Magenschleimhautrötungen
und petechiale Schleimhauteinblutungen,
- dunkelrote Verfärbung
der Zwölffingerdarmschleimhaut wie bei Blutstauung,
- Zustand nach Versuchen
der Wiederbelebung mit Brüchen der 2. bis 4. Rippe beidseits, abnormaler Beweglichkeit
des Brustbeins und Widerlagerunterblutungen in der paravertebralen Rückenmuskulatur
links,
- reizlose, teils numuläre
Narben an den Gliedmaßen, reizlose Narbe im Bereich der seitlichen hinteren
Scheitelbeinregion links,
- schwärzliche Hautverfärbung
über der zentralen hohen Stirnregion ohne jegliche Unterblutung.
C. Vorläufiges
Gutachten
I. Eine anatomisch
eindeutig nachweisbare Todesursache konnte bei der Obduktion der Leiche des
Herrn AGEEB Aamir nicht festgestellt werden.
Die im Bereich des Kopfes
(Augenbindehäute, Mundschleimhaut, Lidhäute und rechtsseitige Hinterohrregion)
feststellbaren punktförmigen Einblutungen im Sinne sog. Stauungsblutungen wie
auch die Unterblutungen unter dem Lungenaußenfell, dem Herzaußenfell und auch
unter der Brieseldrüsenkapsel sind jedoch als gravierendes Indiz für einen Erstickungsmechanismus
zu werten.
Hinweise für einen Tod
aus natürlicher Ursache haben sich mit bloßem Auge nicht ergeben.
II. Zur Sicherung
der Diagnose wurden
a) Gewebsteile aus Hirn, Lunge, Leber, Niere, Bauchspeicheldrüse, Milz, Nebenniere,
Brieseldrüse, Magenschleimhaut, Zwölffingerdarmschleimhaut, verschiedene Weichteilabschnitte
und das Herz in Formol asserviert.
b) Blut und Urin wurden zur Alkoholbestimmung sichergestellt.
c) Zur chem.-tox. Untersuchung wurden asserviert: Herzblut Oberschenkelvenenblut,
Urin, Mageninhalt, Gallenflüssigkeit, Liquor (lumbal und occipital) sowie Teile
von Lunge, Leber und Niere sowie Nasenschleimhaut.
d) Eine Vorprobe auf Glukose und Ketonkörper am Urin verlief negativ, desgleichen
auch am Liquor.
e) Auftragsgemäß wurde eine Vorprobe auf zentral wirksame Substanzen am Urin
(Triage-Test) vorgenommen. Diese verlief leicht positiv auf Cannabisinhaltstoffe.
f) Blut wurde vorsorglich zur DNA-Analyse sichergestellt.
III. Wir bitten
gegebenenfalls um Auftrag zu weiteren Untersuchungen.
IV. Ein abschließendes
Gutachten bleibt vorbehalten.
V. Gegen die Freigabe
der Leiche bestehen ärztlicherseits keine Bedenken.
Gez.: Dr. Baur, Dr. Pankratz,
PD Dr. Gilg